BINGO! Für die Astra-Ausredenplörre

Ich hatte Tischkante zum Mittagessen. Auf Twitter flog mir gerade eine weitere Meldung zur sexlastigen Werbung der Biermarke Astra entgegen. Ein Tweet behauptete, dass die Leute von Carlsberg, das ist der Mutterkonzern von Astra, gut auf die Kritik von „Dies Irae“ reagiert hätten. Die Adbuster-Gruppe verändert regelmäßig Werbeplakate. Jetzt hat es eben Astra getroffen.

Ich erwartete nach dem Klick etwas von einer gelungenen, vielleicht sogar selbstkritisch aber witzigen Antwort. Leider war dem nicht so. Vielleicht war ich auch so positiv voreingenommen weil ich Astra sehr gerne trinke, obwohl ich Weinfan aus Südwestdeutschland bin. Das Zeug ist echt gut.

Aber das was ich in der Meldung der MOPO las, war braves Abklappern von Punkten die ich als Bingo einer generischen Verteidigung von sexistischer Werbung bezeichne. Diese Ausreden sind alt, sie werden schon fast traditionell gebetsmühlenartig fast jedes Mal von Unternehmen wiederholt wenn der dargestellte Sex in der Werbung das Gleichgewicht verliert. Der Ausredenkatalog sieht meist wie folgt aus.

Die kritisierte Kampagne kann nicht sexistisch sein weil:

  • Viele! Frauen haben mitgewirkt
  • Gerne auch junge, kreative und engagierte Frauen
  • Alle hatten Spass bei der Entwicklung
  • Testpublikum war ja so begeistert
  • Es ist ein „augenzwinkerndes“ „Spielen mit Klischees“ (Die Vokabel „augenzwinkernd“ ist scheinbar ein Muss in diesem Zusammenhang. Dieses Wort lese ich gefühlt fast nur in solchen Kommunikationssituationen.)

Das ist schade. Astra/Carlsberg haben damit einfach faul einen Katalog bedient, der das Problem nicht adressiert und sämtliches Entwicklungspotenzial für eine Verbesserung von sexy Werbung unter den Tisch kehrt oder gar aussperrt. Damit das klar ist: Der Status Quo, also die alltägliche bevorzugung des Werberblicks für Frauenkörper, ist durch ein „Spielen mit Klischees“ weiter bestätigt und wird in keinster Weise ernsthaft ironisiert.

Zitat (aus der MOPO übernommen, hat jemand das Original zur Hand?)

„Es ist nicht unser Ansinnen sexistische Werbung zu gestalten und wir sehen das besagte Plakat auch nicht als solche. Viele Frauen haben an der Entwicklung dieser und anderer Kampagnenmotive mitgewirkt.“, heißt es in der Stellungnahme von Carlsberg, Astras Mutterkonzern. Die Biermarke stehe für „Werbung mit einem Augenzwinkern“

Die Lieblingsargumente „Frauen waren dabei“ und „Augenzwinkern“ sind auf dem Bingokärtchen angekreuzt. Aber wäre es nicht ander Zeit sich über das grundlegende Strickmuster der eigenen Werbung Gedanken machen? Daraus kann man dann  Handlungsbedarf ableiten der:

a) keine Selbstzensur beinhaltet

b) kreative Weiterentwicklung beinhaltet

c) den Spassfaktor der Marke zeitgemäß einfängt

 

Dieses Strickmuster bei Astra sieht aus wie folgt: 

1.  Tattoos, Kiezig und authentisch „Hamburg“

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Die Startseite empfängt mich mit Produkten, Gimmicks und Männern. Die Seite hat jedoch eine Slideshow und bringt mich weiter zu neuen Motiven und Themen im Hauptteil der Webseite.

2. Die gezeigte Weiblichkeit ist üppig, kein Supermodel, aber sexy. Es wird Körper gezeigt. Diese Darstellung zeigt zwar eine gewisse Distanz zu Schönheitsidealen der Hochglanzwelt aber die Formel Frau = Sexy bleibt bestehen.

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Bei Frauen sind sekundäre Geschlechtsmerkmale in der Astra-Welt zentral. Logisch: Das Bier verkörpert den Geist von St. Pauli! Wissen doch alle! Und das gilt vor allem für das von den Adbustern Dies Irae kritisierte Plakat.

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3. Wenn aber mal Männerhaut gezeigt wird, ist dies ironische, freche und vor allem kerlig.  Schönheitsmerkmale und Sexy-Attribute für Männerkörper werden keck durch den Kakao gezogen.

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Diese dicken Bierbäuche die fitte Sixpacks von sexy Männern persiflieren sind an sich okay. Lustige Idee, mit dem Bauzaun diesen Effekt festzuhalten. Wenn da nicht der Kontext wäre in dem das stattfindet.

Wir leben in einer Zeit, in der Werbung sich endlich weiter ändern muss! Frauen, Männer, Leute die auf Kerle stehen schreien förmlich danach was geiles im Vorbeigehen am Werbeplakan angucken zu können. Der harte Kerl ist zwar lustig aber nicht traditionell sexy.  Zugegeben, Bären sind ein Augenschmaus für einige Leute aber stell sich jemand vor Frauen wären so dargestellt wie die Typen am Bauzaun.

Fällt der Groschen?

Die rauhe sexy Tradition aus Hamburgs altem Rotlichtviertel geht nicht davon kauptt, wenn das Sexy-Spektrum ausgeweitet wird. Das heißt im Klartext: Die Titten können bleiben, wenn es auch geile Kerle zum ansabbern gibt. Ohne Bierbauch! Echt geile, hawte Kerle mit Bier. Zur Anschauung habe ich folgende Bilder zum Durchscrollen zusammengestellt. (Bildrechte unklar, Hinweise immer Willkommen!)

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Wer würde nicht gerne ein Sixpack mit diesem Zeitgenossen Teilen? Das wäre sogar Sixpackception.

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Der junge Mann auf dieser Abbildung ist wohl auf diverse Exzesse aus. Ich habe nichts dagegen.

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Hier kommt die Werbung stilistisch nahe an einen Lindner aus der diesjährigen Wahlwerbung. Besonders schön ist, dass dieser Beau ohne hohle Wahlwerbesprüche daherkommt. Danke! Lieber ein Bier.

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Manchmal ist es schwer im Leben, auch wenn es um Bier geht. Daher hilft diese Schönheit auch beim Heben des Vorrats für den Abend. Prost!

Zu guter Letzt möchte ich noch in etwas Erinnerung schwelgen. Astra hatte es mal richtig gut drauf mit sexy Werbung. Arschkalt aber sauheiß!

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Zum Wohl!

Mehr über Sex und Werbung, Sex und Kultur findet ihr in meinen Sex Clulture Vorträgen die ich auf der re:publica Konferenz gehalten habe.

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2 Gedanken zu “BINGO! Für die Astra-Ausredenplörre

  1. Danke für den Beitrag, Elle! Dein Aktivismus ist super und motiviert mich ständig, auch den Mund aufzumachen, wenn etwas so nicht geht. Ganz viel Liebe von mir 😊❤️

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