Digitalradioförderung: UKW-Radios verbieten!

Als Migrantenkind kenne ich so einige Klischees über Deutsche und ihre angeblich so heiß geliebte Verbotskultur. Nun lese ich, dass der Bundestag eine vierte Änderung des Telekommunikationsgesetzes durchgebracht hat. Okay.  Um 2 Uhr nachts, und alle Reden sind zu Protokoll gegeben. Um die Uhrzeit ist man lieber im Bett oder up in the Club. Aber was die da zu der tiefen Nachtzeit beschlossen haben, hat für mich einen verpennten Beigeschmack von genau diesem Verbots-Klischee. 

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Die Verbreitung von Digitalradio soll jetzt eindlich in Deutschland gefördert werden. Achtung! Achtung! Ein Verbot soll Deutsche zu Digitalradiofans machen.  Wenn alle anderen Menschen in der EU doch schon das digitale Radio akzeptiert haben, dann darf Deutschland dem nicht mehr nachstehen.

Im Detail meint das BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie), dass diese Regelung für höherwertige Radios gelte. Also die, die z. B. den jeweiligen Sendernamen anzeigen können. Wie as Gerät digital empfängt, wird aber dann dem Markt überlassen:

Konkret sollen künftig höherwertige Radioempfangsgeräte mit einer Schnittstelle ausgestaltet sein, die zum Empfang digitalisierter Inhalte geeignet ist. Mittels welcher Technik (beispielsweise DAB oder Internetradio) die digitalen Inhalte zum Hörer gelangen, wird nicht vorgegeben. Diese Entscheidung soll dem Markt beziehungsweise dem Hörer überlassen bleiben. Zudem werden nur solche Geräte einbezogen, die überwiegend zum Hörfunkempfang ausgerichtet sind. Autoradios werden einbezogen, Mobilfunkgeräte hingegen werden ausgeklammert.

Hierzulande  hören die meisten Leute noch über UKW, also ganz analog, ihr Radio. Digitalradio ist für viele noch Neuland. Andererseits: Wie kann man ernsthaft erwarten, dass die Leute in Deutschland sich über digitale Radiogenüsse erfreuen, wenn digitale Kulturverbreitung immer noch trotz großer Sonntagsreden immer noch stiefmütterlich behandelt wird? Ich sage nur Störerhaftung, Drosselkom und Breitbandausbau.

Diese Baustellen und Hemmnisse für Digitales gibt es im restlichen Europa halt nicht so. Akzeptanz durch Verbote durchsetzen kann man schon machen, aber dann ist halt nur ein Symptom bekämpft. Die Ursachen bleiben noch in der Welt. Damit auch ein zaghaftes Verhältnis zur Digitalisierung.

Was sagt ihr? Halb so schlimm oder wieder mal typisch deutsch?

 


Weiterführende Infos zur vierten Änderung des Telekommunikationsgesetzes: 

Themenseite beim BMWi 

Themenseite des Deutschen Bundestages 

 

Artikelbild: Elle Nerdinger, Verbotsschild: Barbara Streetart 

 

 

 

 

Wonder Woman: Advocatus Diaboli

Eine Kinokette feiert regelmäßig „Männerabend“. Dabei werden Hefte mit weiblichen Nackedeis an das Publikum verteilt. Altmodisch, aber halt noch üblich: Gendermarketing, das Männer in der Realität© nicht wirklich ernst nimmt. Andererseits, wer wird heutzutage noch von der Werbung ernst genommen?

Als ich aber sah, dass aktuell Wonder Woman gezeigt wird, habe ich  meine frisch frisierten Augenbrauen hochezogen. Das auch noch zum Männerabend im Kino. Eiderdaus!

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Aber echt jetzt: Das könnte vielleicht in Wirklichkeit eine echt gediegene diplomatische Werbeaktion sein. Stellt euch nur mal vor, wie die Lichtspielhausbetreiber eingefleischte, echte Männer™ von ihren mit Steaks belegten Grillabenteuern in die Kinos jagen. Dort soll dann die geneigte Kerleschaft auf den Geschmack für coole Comicheldinnen im Actionkinoformat kommen. Schließlich muss der Bauer, er frisst ja nix was er nicht kennt, mit einer ordentlichen Portion Bekanntem angelockt werden. Das könnte dann das bereits oben genannte Tittenheft sein.  Ich würde mal behaupten, das ist Fortschritt durch Hinterlist!

So kann mensch ganz gewieft, diabolisch und hinten rum die ganzen Sesselmachos dazu bewegen,  Frauen wenigstens im Schneckentempo in den Rollen zu akzeptieren, die bisher fast nur für männliche Wesen vorbehalten waren: Actionheldin oder sogar als gefeierte, lakonische Late-Night-Moderatorin?

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Vielleicht könnte durch diese hochdiplomatische und erzgeschickte Aktion der besagten Kinokette sogar ein kleiner Schritt in Richtung Akzeptanz von Schiedsrichterinnen in der Bundesliga getan werden?

Wer weiß, mit etwas Geschick werden in Zukunft die Damen der Schöpfung dazu gebracht werden Autoshows oder Techmessen zu besuchen, wenn nur genügend nackte Kerle zu den Produkten rumposieren. Kaufkraft haben die Ladies ja. Die üblichen Shoppinggründe müssen mittlerweile auch erweitert werden. Ewig nur Schuhe und Schokolade kaufen ist doch langweilig.

 


Alle Bilder für diesen Artikel stammen von CFBear27 auf Deviantart.