Nüsse machen die Schokolade auch nicht männlicher

Gender-Marketing. Unendliche Langeweile. Dies ist die zweigeteilte Monokultur, die im Supermarkt, auf Werbeplakaten und sonstigen Verkaufsflächen auf Kundschaft lauert.

rosahellblau

Für mehr Details zur Rosa-Hellblau-Falle und warum das Gendermarketing zwar einfach aber gesamtmenschliche Bedürfnisse nicht genug beachtet. 

Die ganze Geschichte fing wohl damit an, dass sich Marketingleute überlegten, wie sie verschiedene Menschengruppen genauer ansprechen könnten. Schön und gut. Diversifikation und Eingehen auf Bedürfnisse verschiedener Menschen ist doch toll. Da Frauen und Männer scheinbar so unterschiedlich sind wie Alien und Predator, müssen daher anders angesprochen werden. Dieser Artikel aus dem Handelsblatt von 2007 illustriert die Denke ganz gut.

Aber ganz ehrlich, wir können uns entweder weiter einreden, dass die Dinge sind, wie sie scheinen oder einfach unser Menschenbild wieder mehr der komplizierten Realität zuwenden. Mit Fantasie und schönen Verlockungen können Waren und Dienstleistungen genauso effektiv schmackhaft gemacht werden.

Bei manchen gegenderten Produkten, die mir im Laufe der Zeit begegnet sind, habe ich mir bereits alternative Vermarktungs- und Werbestrategien überlegt. Diese neu gedachten Verkaufsargumente ersetzen eine Identität mit Stimmungen, Wünschen und Situationen.

Barkultur statt Herrenschokolade 

kloetenmarzipan1

Apple Bourbon klingt doch ganz schmackhaft. Aber warum muss ich eine männliche Geschlechtsidentität haben um so was essen zu „dürfen“? Und warum brauchen umgekehrt Menschen mit männlicher Geschlechtsidentität eine Erlaubnis in Form von Sonderprodukten, Schokolade essen zu „dürfen“? Ja, Kapitalismus und Markt und Nachfrage. Ja.

Aber…

Andererseits, wie wäre es mit einer Tafel BARZIPAN? Der neuen, kalauerfreudigen Marzipankreation für Fans der gepflegten Barkultur? Da würde ich gerne zugreifen und wäre sehr gespannt, wie der Hersteller Bourbon und Apfel denn umgesetzt hätten.

bazipan

Hier hat die Geschmacksrichtung mir die Idee gegeben, dieses recht lecker scheinende Aromenkonstrukt zu verallgemeinern und ein anderes Thema zu finden. Die Marke Niederegger ist von den Marzipanmarken eher von der hochpreisigen Art: Daher kann mensch darauf schließen, dass Leute, die Niederegger Marzipan mögen, gerne in Bars gehen. Die derzeitige Mixology-Welle verfolgt und genießt diese Zielgruppe. Das gilt genauso für den aktuellen Whisk(e)y Trend, der nicht abreißen will. Bourbon, Whiskey und Whisky sind in aller Munde (haha). Daher ist Schokolade, die zu diesem Trend passt, ziemlich kaufbar.

Manchmal habe ich einfach den Eindruck, dass vor lauter Strategiedenke in Sachen Marketing und Zielgruppen, die Fantasie auf der Strecke bleibt. Zielgruppen definieren sich eben nicht nur aus Identitäten, sondern aus Situationen, Vorlieben und Genüssen.

Enjoy!


 

Bonusmaterial mit Kommentar
Bei einem bekannten Modeversand, der schon lange auch maskuline Bekleidung an den… äh.. Mann gebracht hat, will jetzt wohl diese Zielgruppe zu mehr Käufen anregen.

Okay.

Aber diese Kampagne hat so viel schlechte Subtexte, dass ich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. Klar, ein „echter Kerl“ kreischt nicht bei Empfang eines Paketes. Das geht nur, wenn Schalke ein Tor kassiert.

zalandofail

Und Stil? Mode?

Hilfe, das könnte ja als feminin ausgelegt werden. Deswegen holt der „echte Kerl“ seine stylishen Klamotten in einer MAN-BOX aus der Packstation. Alles andere wäre ja tussihaft.

Ich habe Hirnschmerzen.

Alternativ hätte ich diese Kampagne mit schelmisch grinsenden Männern ausstaffiert, die mit Hand vor dem Mund Paketboten an der Tür empfangen. Dazu „Mein Style. Mein Vergnügen.“

Kinder Mögen Cookies
Zu guter Letzt gibt es noch ein Fundstück, dass mein Star Wars Herz höher schlagen lässt:  Ein stolzer Vater freut sich, dass seine Tochter eine Darth Vader Figur viel spannender als zarte* Disneyprinzessinnen. Gutes Mädchen. Sie weiß, wo es Cookies gibt.

darksidegirl2

Credits: 
Marzipanbilder inkl. Artikelbild von Maria Herberg
„Barzipan“ geremixed von Elle Nerdinger

* Prinzessin Leia Organa ist keine zarte Prinzessin.

Advertisements