Ich bin nicht naturverbunden

Viele Menschen raten einem, den Wald zu suchen wenn Entspannung gesucht wird. Das ist schön und gut. Die Natur hat durchaus ihre Reize. In ihr gibt es Bäume, viele Tiere und gluckernde Bäche. Unsere irdische Natur hat aber auch trockene Wüsten, giftige Tiere und garstiges Unwetter vorzuweisen. Es ist nicht möglich die „schönen“ Dinge in der Natur für sich rauszupicken und den Rest wegzulassen. So funktioniert das heutzutage noch auf diesem Planeten Erde. Die Natur in all ihren Facetten ist Bestandteil der Existenz in diesem Universum. Die ist auch Natur.

Daher ist es auch für etwas naturfremde wie mich, ratsam sich der Wirkungsweisen von Ökosystemen und Lebenserhaltung und dem Schutz von Arten zu widmen. Nur so kann der Planet weiterhin ein bewohnbarer Ort bleiben. Die Ausführung ist zwar kurz und nicht wissenschaftlich präzise, aber es reicht für mich um zu wissen: Ich brauch Natur um zu überleben aber ich brauche sie nicht um persönliche Ruhe zu finden.

Versteh mich niemand falsch: Ich gehe gern im Schwarzwald spazieren, ich finde es wichtig, dass die Regenwälder geschützt und erhalten bleiben und wieder wachsen können. Ich bin auch dafür, dass weiteres Umdenken in der Technik zu Gunsten der Natur stattfindet. Kernkraftwerke finde ich hingegen ziemlich uncool. Abschalten, am besten gestern.

Aber ich habe dennoch nie einen Bezug zu dieser Natur gespürt um meine inneren Batterien darin aufzuladen oder um meine Ruhe zu haben. Andererseits wohne ich gerne in der Innenstadt. Ich brauche keinen Wald um die Ecke. Der Park und die vielen Grünflächen reichen mir. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich irgendwohhin „zurück“ müsste. Im Gegenteil: Ich finde dieses „zurück zur Natur“ – oft gelesen, oft gehört – ständig hinterfragt in meinem Hinterkopf.

Es gibt nichts wohin ich „zurück“ müsste. Ich existiere als Mensch in einem Ökosystem Erde und muss selbstverständlich dafür einstehen, dass dieses Ökosystem weiterhin funktioniert. Mit allen anderen Wesen hier zusammen. Aber das ist noch lange keine Verpflichtung mich romantisch-verehrend an eine „Natur“ zu wenden die mich zu irgendwelchen „Ursprüngen“ zurückführt.

Ich bin ich. Ich bin von einer biologischen Familie. Ich habe aber auch kulturelle Ursprünge. Ich bin von dieser Affengattung Mensch mit vielen Arten und Unarten. Ich kann Stammbäume zurückverfolgen oder Migrationsbewegungen nachvollziehen. Das kann mich an irgendeinen Punkt zurückführen, woher ich oder meine Vorfahren mal kamen. Das ist spannend. Es ist menschlich. Wie ich es bin. Ich sehe mich primär als Mensch. Mensch in einer zunehmend technischen Welt. Mensch der Sorte Cyborg. Mensch, der sich als Organismus an der Schnittstelle zwischen Technik und evolutionär Gewachsenem sieht. Nichts besseres und nichts schlechteres. Ich existiere als Resultat meiner Zeit. Und die Technik, der ich näher stehe als den Bäumen kann dazu beitragen die Bäume und den Rest der Natur auf diesem Planeten zu schützen.

 

 

 

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