Ich bin nicht naturverbunden

Viele Menschen raten einem, den Wald zu suchen wenn Entspannung gesucht wird. Das ist schön und gut. Die Natur ist schön, sie hat Bäume, viele Tiere und gluckernde Bäche. Aber auch trockene Wüsten, giftige Tiere und garstiges Unwetter. So eine Natur und dessen Auswirkungen gehört halt zu einem Planeten wie der Erde dazu. Sie ist teil des Daseins in diesem Universum. Daher ist es auch ratsam sich der Wirkungsweisen von Ökosystemen und Lebenserhaltung und dem Schutz von Natur und Arten zu widmen damit der Planet auch weiterhin ein bewohnbarer Ort bleibt. Ich weiss, diese Ausführung ist kurz und unpräzise. Ich hoffe jedoch, dass sie ausreicht um mitzuteilen, dass ich kein „fieser naturfremder Roboter aus der Hölle“ bin. 🙂

Es bleibt jedoch so: Ich bin nicht naturverbunden. Ich geh mal gern im Schwarzwald spazieren, ich finde es wichtig, dass die Regenwälder erhalten werden und wieder wachsen können. Ich finde, dass es die grüne, gefährliche, urtümliche Natur auf diesem Planeten gibt, damit es auch weiterhin überall auf diesem kleinen blauen Ball im All Leben geben kann. Ich bin auch dafür, dass weiteres Umdenken in der Technik zu Gunsten der Natur stattfindet. Ich find Kernkraftwerke etwa ziemlich scheisse. Abschalten, am besten gestern.

Aber ich habe dennoch nie einen Bezug zu dieser Natur gespürt um meine inneren Batterien aufzuladen oder um meine Ruhe zu haben. Ich wohne gerne in der Innenstadt. Ich brauche keinen Wald (der auch meist kultiviert ist) um die Ecke. Der Park und die vielen Grünflächen reichen mir persönlich. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich irgendwohhin „zurück“ müsste. Im Gegenteil: Ich fand dieses „zurück zur Natur“ meistens recht oft gelesen, oft gehört aber ständig hinterfragt in meinem Hinterkopf.

Es gibt nichts wohin ich „zurück“ müsste. Ich existiere als Mensch in einem Ökosystem Erde und muss selbstverständlich dafür einstehen, dass dieses Ökosystem weiterhin funktioniert. Mit allen anderen Wesen hier zusammen. Aber das ist noch lange keine Verpflichtung mich romantisch-verehrend an eine „Natur“ zu wenden die mich zu irgendwelchen „Ursprüngen“ zurückführt.

Ich bin ich. Ich bin von einer biologischen Familie. Ich habe aber auch kulturelle Ursprünge. Ich bin von dieser Affengattung Mensch mit vielen Arten und Unarten. Ich kann Stammbäume zurückverfolgen oder Migrationsbewegungen nachvollziehen. Das kann mich an irgendeinen Punkt zurückführen, woher ich oder meine Vorfahren mal kamen. Das ist spannend. Es ist menschlich. Wie ich es bin. Ich sehe mich primär als Mensch. Mensch in einer zunehmend technischen Welt. Mensch der Sorte Cyborg. Mensch, der sich als Organismus an der Schnittstelle zwischen Technik und evolutionär Gewachsenem sieht. Nichts besseres und nichts schlechteres. Ich existiere als Resultat meiner Zeit.

Ich muss nirgends zurück. Ich kann Bäume mögen und Tiere schützen. Aber ich habe keine Verpflichtung zu meiner Enspannung irgendwohin zu müssen, wo ich einen mythischen Ursprung vermuten könnte. Das bin nicht ich. Ich bin in der Stadt zu Hause. Ich empfinde meine urbane Umgebung als mein Habitat. Ich lebe hier. Ich kreuche und fleuche hier. Hier kann ich funktionieren, hier kenne ich mich aus. In der „Natur“ wäre ich deplaziert. Nicht funktionsfähig. Ich schäme mich auch nicht dafür. Weil ich mich nicht dafür schämen kann, wie ich halt geworden bin.

Ich brauch keinen Wald für mein persönliches Leben als Überlebensraum. Ich brauch keine Naturromantik. Ich fahr aber trotzdem hin und wieder gern mal hin. Aber ohne Romantikbrille. Dafür liebe ich die Stadt. Sie ist meine Natur.

 

 

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