Echte, klare, bürgerliche oder amtlich erfasste Namen?

Immer wieder ist von „Klarnamen“ die Rede, wenn die Namen die im Pass oder Ausweis gemeint sind.  Dabei ist dieser Begriff „Klarname“ nicht unproblematisch. Spione haben Klarnamen zu ihren beruflichen Decknamen. Menschen, die nicht bei Geheimdiensten arbeiten und/oder keine Decknamen im Dienst brauchen, haben amtliche Namen oder bürgerliche Namen, man könnte auch einfach vom Vor- und Zunamen sprechen. Es gibt viele Begriffe, die auch ihre Vor- und Nachteile haben.

Stelle man sich mal einen Mönch vor. Er hat von seinen Eltern einen Namen erhalten. Den Nachnamen der vererbt wird und einen von den Eltern ausgesuchten Vornamen (oder mehrere). Dazu kommt bei ihm als Mönch der Ordensnamen. Jetzt könnte dieser Mönch, geboren als Karl Müller mit Ordensnamen Bruder Laurentius, vom BND als Spion angeheuert werden um dann einen Decknamen „KuttenKalle“ erhalten der nicht seinem bürgerlichen Namen oder Ordensnamen entspricht.

Somit wären aus der Sicht seines Arbeitgebers, dem BND, theoretisch zwei „Klarnamen“ vorhanden. Die Identität des Decknamens „KuttenKalle“ wäre dann auf die Namen Karl Müller und Bruder Laurentius aufzulösen die in seinem Ausweis stehen.

Beide Namen sind „echt“, denn die Person wäre eindeutig, mitsamt Ausweis, identifizierbar. Somit wären wir auch vor der Frage, was denn „echte“ Namen sind.

Jedoch ist ein Karl Müller, so „echt“ dieser im Einwohnermeldeamt dort hinterlegt ist nicht sehr individuell. Es gibt quasi Herden und Horden von Karl Müllers.

Exkurs zu Spässen und Unsinn bei amtlich erfassten Namen:

Diese amtlich erfassten Namen sind jedoch auch nicht immer mit dem Geburtsnamen deckungsgleich. Unser Mönch Karl Müller könnte plötzlich aus dem Orden aussteigen weil er als Spion die gewiefte Mary Miller (Decknamen Hot Bee 1337) kennen gelernt hat. Karl Müller (jetzt ohne Ordensnamen!) heiratet Mary Miller und wird zu Karl Miller. Mary Miller kommt aus England. Diese hieß jedoch nicht immer mit Vornamen Mary. Ihre Eltern hatten sie ursprünglich auf den Namen Kevina Butterfly Xanthippe getauft. Den Namen mochte sie verständlicherweise nicht und hat sich daher für den schlichten Vornamen Mary entschieden. Ihren Namen konnte sie als Engländerin unproblematisch mittels eines Rechtsakts namens „Deed Poll“ einfach ändern. Gegen eine geringe Verwaltungsgebühr. Mary könnte auch ihren Nachnamen Miller ändern. Wie und wann sie wollte. Sie könnte sich im Prinzip „Schubidu-Groovyboom van Schneider“ als Nachnamen auswählen. Rechtlich machbar. Als Britin. Im britischen Namensänderungsrecht. Der Name ist dann ein „legal name“, ein Name der im Rechtsgeschäft angewendet werden kann. Manche würden „echt“ dazu sagen.

Dann gibt es amtlich nicht erfasste Namen aber Künstlernamen oder Screennames die eindeutig auf eine Person zurückzuführen sind. Gerade Screennames sind heutzutage in einigen Kreisen der bevorzugte Name mit dem man auch im physischen Raum Freunde  und Bekannte anspricht, weil man sich diesen meist irgenwie besser merken kann. Man sieht den Namen online auf Twitter etwa, in Mails oder beim Zocken. Dabei auch meist mit einem Userbild, Avatar, verbunden. Das Bild wird mit dem Namen oft einer Person zugeordnet. Es geht sogar so weit, dass man in manchen Fällen Usernamen oder Screenname plus Avatar benötigt, um zu wissen wer das ist. Und als Avatar muss das nicht immer ein Bild vom Gesicht des Menschen sein. Das kann irgend ein Motiv sein, dass dieser Mensch als Userbild halt mit sich führt. Teil seiner Repräsentation im Netz.  Ist das dann weniger echt?

Auf jeden Fall ist das echter als ein Wegwerfnamen den man irgendwo verwendet um entweder unerkannt, incognito (wird gern mit anonym verwechselt), irgendwo was ablassen zu können. Das ist auch das was gemeinhin als Pseudonym korrekt bezeichnet wird. Screennames, Usernamen und ähnliche Namen die dauerhaft von einer Person im Netz klar erkennbar verwendet werden, kann man gegebenenfalls heutzutage nicht mehr so leicht als „pseudo“ bezeichnen. Gehören sie doch zu einer identifizierbaren Person. Man weiss, mit wem man redet.

„Echtheit“ von Namen

Was ist also ein richtiger, „echter“ Name? Der Nachname den man von den Eltern erhält ist jedenfalls nicht in Stein gemeißelt, obwohl er in Deutschland fast nur durch Heirat oder gegen Erlaubnis und unter Beachtung strengen Regeln vom deutschen Amt änderbar wird. Meistens ist mit dem „echten“ Namen ein Name gemeint der für Rechtsgeschäfte verwendet wird. Dabei könne in Deutschland eben Künstler- und Ordensnamen (sofern sie eingetragen sind) für Rechtsgeschäfte verwendet werden. Ausländer, wie zum Beispiel Briten, haben ein flexibleres Namensänderungsrecht aber keine eintragbaren Künstlernamen. Sie führen ihren Künstlernamen bei sich und die Erwähnung oder ihre Werke,  sind Nachweis über diesen Namen. Sie sind auch da wie ein Warenzeichen zu verstehen.

Wenn man ganz zum Schluss, die Geschichte mit den Namen und der Vertrauenswürdigkeit herunterkocht, dann landen wir bei Namen die zuverlässig auf eine Person zurückzuführen sind. Wie dieser Name jedoch gestaltet ist und woher er kommt und wer ihn verleiht, dass steht auf einem anderen Blatt.

Video killed the Inputflow

Es gibt Leute, die haben keine Problem damit, einfach mal  einen Videolink anzusehen. Sie gucken halt. Spontan.

Dann gibt es Leute, für die ein Video ein Interrupt, eine große Unterbrechung ihres medialen Flows, darstellt.  Das klingt zuerst sehr rührseelig. Dennoch ist es eine Tatsache, dass viele Leute Videos als eine starke Unterbrechung wahrnehmen. Sie müssen ihre Musik ausmachen, vielleicht Kopfhörer raussuchen, dann alles vorbereiten um das Video zu sehen. Weil ihre normalen medialen Wahrnehmungsroutinen nicht darauf eingestellt sind. Weil sie nicht aus jedem Lautsprecher ohne Vorwarnung oder Rücksicht was rausplärren lassen wollen.

Und weil ein Text sich schneller durchscannen lässt, als ein Video. Zeit ist wertvoll. Gib einem Menschen Grund, Zeit zu verwenden. Ja der Grund kann schnell da sein. Die Hürde ist so groß wie die einen kurzen Beschreibungstext zu schreiben.

„Schau mal Hier, da klaut ein Elefant einem Zoowärter den Hut. Und im Hintergrund diskutiert eine Philosophin Kant während sie auf Locke einprügelt.“

Spannend. Würde ich gucken.

Ich persönlich schaue mir sehr ausgewählt Videos an. Da höre ich derzeit mehr Podcasts, als dass ich ad hoc an mich gepostete Videos gucke. Podcasts lassen mich nebenehr noch Dinge tun. Sie nehmen mich nicht ganz ein.

Daher gehen die meisten Youtube Stars an mir vorbei. Zu viel Interrupt. Ich höre meistens am Rechner oder am Handy Musik, wenn ich unterwegs bin. Wenn nicht, ist das auch aus einem Bedürfnis nach Ruhe und Frieden heraus, um meinen Ohren nichts grad zuzumuten.

Daher will ich auch meistens auf Zuruf kein Video hören, zu dem ich was optisches geboten bekomme. Da kann das noch so spektakulär sein. Es ist eine Unterbrechung.

Ausser…

Ausser, ich habe einen triftigen Grund und es interessiert mich so sehr, dass ich meine Musik ausmache, dass ich mir gegebenenfalls Kopfhörer raussuche, weil ich umstehende oder umliegende Menschen nicht stören will. Daher sind Beschreibungen sehr nützlich. Denn es kann sich lohnen.

Wenn ich aber keinen Grund habe, diese Unterbrechung in Kauf zu nehmen, diese Zwangswerbung mit gelbem Balken auf YouTube abzuwarten, dann gucke ich mir das eher nicht an.

Es ist sicherer, lieber Text oder ein Bild zu schicken. Dafür muss nichts ausgemacht werden. Dafür muss man sich keine Kopfhörer raussuchen um andere Leute in der Umgebung vom plötzlich anlaufenden Videoton zu verschonen.

Zu guter Letzt, möchte ich betonen, dass dieser Hinweis keine Vorschrift ist. Dies ist ein Hinweis auf Seh- und Rezeptionsgewohnheiten. Es ist eine Hilfe, dass eure Sachen auch ankommen. Weil ihr sie mögt und sie auch ankommen sollen.

Ihr wollt doch, dass eure Sachen ankommen, oder?